Ausstellung des Monats

Olaf Heine

RWANDAN DAUGHTERS

Fast eine Million Menschen fielen dem Völkermord in Ruanda 1994 zum Opfer, etwa 250.000 Frauen wurden vergewaltigt. Heute leben Täter und Opfer oft Tür an Tür. Und während Frauen in der ruandischen Gesellschaft in den vergangenen 25 Jahren an Einfluss gewonnen haben, leben die Opfer der Vergewaltigungen und ihre Kinder weiterhin oft ausgegrenzt mit dem Stigma der Witwen und Waisen. Gerade die Töchter der Vergewaltigungsopfer sind es heute, die ihre traumatisierten Mütter auffangen und gegen das Stigma ankämpfen – mit beispiellosem Mut und grenzenloser Zuversicht in einer von schweren Traumata geprägten und autoritär regierten Gesellschaft. 

„Rwandan Daughters“ ist ein Zeugnis der Kraft dieser Frauen. In ausdrucksstarken Bildern hat der deutsche Fotograf Olaf Heine (*1968) die Mütter und Töchter Ruandas portraitiert – Seite an Seite am Ort des Geschehens. Manchmal gehen die Blicke von Mutter und Tochter in verschiedene Richtungen, manchmal gibt es zärtliche Berührungen. Allein ein mildes Lächeln wäre eine Lüge. Aber aus den Ähnlichkeiten der Gesichter spricht ihre Verbindung und damit ihre geteilte Hoffnung, die Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Oft wirkt der tropische Naturraum versöhnlich, während der Stadtraum die Entbehrungen und Verletzungen wachhält. Und doch: Alle Orte sind auch Tatorte gewesen.

Ebenso irritierend wie berührend stellt sich das Projekt „Rwandan Daughters“ für den Betrachter dar. Es entstand zwischen 2017 und 2018 in enger Zusammenarbeit mit der ora Kinderhilfe, die sich seit Jahren stark vor Ort in Ruanda einsetzt. Ein Projekt, das bewegt und erinnert und in seiner Intensität die Stärke der Frauen Ruandas feiert. „Wie kann man Liebe zu einem Kind aufbauen, das einen jeden Tag an die schlimmste Zeit seines Lebens erinnert?“ – so fragt Olaf Heine. Seine Dokumentation zeigt auch: Nicht immer funktioniert das Vergessen, nicht immer sind die Mutter-Tochter-Verhältnisse unbelastet.  Und doch schlagen Stärke und Willenskraft der beteiligten Frauen Brücken über die Schrecken der Vergangenheit. 

MUSEUM FRIEDER BURDA | Salon Berlin, Auguststraße 11-13 10117 Berlin,  Do - Sa, 12.00 - 18.00 Uhr